Auf der NAMM im Januar tat AlphaTheta, was sein altes Ich als Pioneer DJ sich selten erlaubte: einem Flaggschiff Funktionen wegzunehmen und es ein neues Produkt zu nennen. Die DJM-V5 ist die DJM-V10, reduziert auf drei Kanaele in einem 437,5 mm breiten Gehaeuse, rund 30 Prozent kompakter als die V10. Sie behaelt den Vier-Band-EQ, Filter und Kompressor pro Kanal, die langhubigen Fader und die Send-FX-Schleife. Die Beat FX fallen komplett weg. Einen Crossfader hat sie nicht. Listenpreis: 1.999 Euro / 1.739 Pfund (inkl. MwSt.) / 2.199 USD, und ab der Ankuendigung war sie erhaeltlich.

Was hat AlphaTheta tatsaechlich gestrichen, und warum?

Die beiden Auslassungen verraten den Kaeufer. Die Beat FX, jene Reihe tempo-synchroner Delays und Rolls, auf die sich Turntablists und Open-Format-DJs stuetzen, sind weg. Auch der Crossfader, das wichtigste Bedienelement eines Scratch-Mixers. Was bleibt, ist der Vier-Band-EQ und die zweizonen Send-FX-Architektur der V10, das Werkzeug, mit dem man zwei oder drei Tracks zu einem Klangbett verschmilzt, statt zwischen ihnen zu schneiden.

Das ist eine bewusste Sortierung des Marktes. Die V5 ist fuer den DJ gebaut, der den Mixer als Instrument zum Mischen behandelt, nicht zum Kaempfen: den Tech-House- und Techno-Spieler, der Loops stapelt, die Sub-Frequenzen reitet und die Sends wie ein Effekt-Rack einsetzt. AlphaTheta hat sogar einen neuen "Cross-Pass"-Filter ergaenzt, ein Novum in seinen Mixern, und eine "Soft Mix Curve", die nach eigenen Worten "automatisch eine dezente Hochfrequenz-Absenkung anwendet, um weichere, natuerlichere Uebergaenge zu schaffen", wenn man einen Fader herunterzieht. Das sind Mix-Werkzeuge, keine Buehnen-Spielereien.

Ist das kabellose Monitoring eine echte Funktion oder eine Zeile im Datenblatt?

Die Schlagzeilen-Neuerung ist SonicLink. Die DJM-V5 ist der erste Mixer mit eingebautem SonicLink-Sender, der sich mit AlphaThetas kabellosen HDJ-F10-Kopfhoerern fuer latenzarmes Cue-Monitoring koppelt, ganz ohne Kabel zur Kanzel. Fuer eine Generation, die mitten im Set schon Kabel aus der Kanzel gerissen sah, ist das Wegfallen des Kopfhoererkabels nicht nichts. Auch das Innenleben ist auf Flaggschiff-Niveau: 96 kHz/64-Bit-DSP, ESS-32-Bit-Wandler, ein angegebener Stoerabstand von bis zu 110 dB ueber USB.

Den Crossfader aus einem Flaggschiff zu entfernen, ist eine Ansage: AlphaTheta hat entschieden, dass die House- und Techno-Kanzel und die Scratch-Kanzel jetzt zwei verschiedene Produkte sind.

Wie passt das ins groessere Bild der NAMM 2026?

Man schaue auf das, was AlphaTheta neben dem zeigte, was seine Schwestermarke tat. In derselben Woche brachte Rane (wie AlphaTheta im Umfeld der DJ-Welt rund um inMusic) die System One heraus, ein motorisiertes Standalone-Geraet fuer 2.499 Dollar, gebaut genau fuer das Scratch- und Open-Format-Publikum, das die V5 ignoriert, mit Plattentellern, Crossfader und integrierten Stems. Eine Firma, zwei Staende, zwei gegensaetzliche Philosophien: ein reduzierter Mixer in Studio-Qualitaet zum Schichten und ein motorisiertes All-in-one-Deck zum Schneiden. Die Mitte, der Alleskoenner-Mixer, wird still und leise aufgegeben.