Der Memorymoog gehoert zu jenen Maschinen, die mehr in der Mythologie der Dance-Music leben als in ihren Studios. Moogs Versuch von 1982, ein polyfones Flaggschiff zu bauen, war wunderschoen, instabil und selten, und ein funktionierendes Exemplar kostet heute mehr als ein Gebrauchtwagen. Arturia hat jetzt getan, was es schon mit der Haelfte von Moogs Backkatalog getan hat, und ihn in Software verwandelt: Memory V, 149 Dollar, ab heute in deiner DAW.
Was war der Memorymoog, und warum zaehlt er fuer House?
Nimm einen Minimoog von Moog, den Mono-Synth, der tausend Basslines praegt, und gib ihm sechs Stimmen. Das ist der Memorymoog in einem Satz. Jede dieser Stimmen trug dieselbe Drei-VCO-Architektur wie der Minimoog und dasselbe 24-dB-Tiefpass-Leiterfilter, sodass man zum ersten Mal diesen fetten, leicht durchgeknallten Moog-Charakter als Akkord spielen konnte und nicht nur als einzelne Note. Fuer Deep und Organic House, wo ein warmes Pad oder ein sich bewegender Akkord die ganze emotionale Last eines Tracks traegt, ist das genau der Klang, dem die Leute nachjagen und zu dem sie in Hardware fast nie Zugang hatten.
Was fuegt Memory V hinzu, das das Original nie hatte?
Die Schlagzeile ist die Polyfonie: Arturia treibt sie von sechs auf zwoelf Stimmen, sodass die ueppigen Schichtungen, die die Hardware nicht halten konnte, nun auf dem Tisch liegen. Er ist MPE-faehig, was die Maschine von 1982 offensichtlich nicht war, also stehen Slides und Druck pro Note jedem offen, der ihn von einem modernen Controller aus spielt. Obenauf sitzen ein vierspuriger Arpeggiator, eine tiefere Modulation mit mehreren Huellkurven und LFOs, Randomisierung, eine Effekt-Engine mit mehreren Slots und ein Makro-System, um mehrere Parameter zugleich zu bewegen.
Was daruber entscheidet, ob eine Emulation lebt oder stirbt, ist der Dreck. Arturia setzt auf eine Vintage-Dispersion-Regelung fuer das, was es eine subtile, atmende Verstimmung nennt, die lebendig statt perfekt klingt, und auf eine Drive-Stufe, die bei geringen Werten sanft harmonisch bleibt und ab der Haelfte in rohe, knackige Schaerfe umschlaegt: der beruehmte zornige Moog-Moment, gedacht, um sich durch einen dichten Mix zu schneiden.
Ein sechsstimmiger Moog war frueher ein Sammler-Flex. Jetzt ist er ein Rechnungsposten fuer 149 Dollar, und das ist die interessantere Geschichte fuer alle, die tatsaechlich Platten machen.
149 Dollar, ein echter Preis oder ein Einstiegsangebot?
Beides. Die Zahl 149 ist der Preis, aber der Einfuehrungstarif fuer bestehende Arturia-Besitzer laeuft bis zum 14. Juni 2026, der guenstigste Einstieg hat also eine Uhr ticken. Ueber 300 Presets liegen in der Box bei und decken Baesse, Pads, Leads und die esoterischeren Ecken ab: das ist der Unterschied zwischen einem Plugin, das man einmal antestet, und einem, das sich einen Platz in deinem Template verdient.



