Was unterscheidet Track ID von Shazam?
Jeder DJ kennt die Szene auf dem Floor: Ein Track reißt den Laden ab, du hältst dein Handy hoch, und die übliche Erkennungs-App dreht nur Däumchen. Sie wurde auf Radio und fertige Releases trainiert, nicht auf einen Track, der zwei Prozent hochgepitcht, time-stretcht, unter ein Acappella gelegt und durch ein Funktion-One gejagt wurde. Genau diese Lücke nimmt Beatport mit Track ID ins Visier, einer Erkennungs-Funktion, die das Unternehmen am 12. Mai 2026 in seine mobile App eingebaut hat.
Der Pitch lautet: Es ist genau auf die Bedingungen abgestimmt, an denen eine normale App scheitert, also gepitchte Edits, time-stretchte Übergänge, überlagerte Tracks und die Lärmwand des Festivalpublikums. Du tippst auf das Track-ID-Symbol, lässt es lauschen, und es liefert das Ergebnis, dann einen Kauf-Link, falls der Track im Store ist. Beatport hat es mit seeqnc gebaut, einer KI-Firma mit Sitz in Wien und Berlin, deren ganzer Fokus auf Musikerkennung und Urheberrechtsidentifikation im großen Maßstab liegt.
Könnte es Produzenten tatsächlich Geld bringen?
Das ist der Teil, der jeden interessieren sollte, der Platten macht und sie nicht nur auflegt. Aufführungstantiemen für Musik, die im Club läuft, sind ein berüchtigtes schwarzes Loch: Verwertungsgesellschaften können nichts für ein Set ausschütten, das niemand notiert hat, also erreicht das Geld für das unbekannte White-Label oder das Dubplate den Produzenten schlicht nie.
Die Erkennung ist die einfache Schlagzeile. Der eigentliche Gewinn sind präzise Setlist-Daten, die die Leute bezahlen, die den Track gemacht haben.
Beatport hat gesagt, das langfristige Spiel von Track ID sei, bessere Setlist-Meldungen zu speisen, indem es zeigt, wo und wann ein Track gespielt wurde, damit die Tantiemen folgen können. Das ist eine weit größere Idee, als an der Bar einen Track zu benennen. Ob diese Daten jemals bei den Gesellschaften ankommen, die die Schecks ausstellen, bleibt die offene Frage, aber eine Erkennungs-Engine, die für echte Clubbedingungen gebaut ist, ist das erste Teil, das überhaupt existieren muss.



