Warum spielt Frankreich bei jedem Tor Daft Punk?

Weil sein Verband entschieden hat, dass in dem Moment, in dem ein französisches Tor fällt, das ganze Stadion Daft Punk hören soll. Für die WM 2026 lockerte die FIFA ihre Audioregeln und ließ jeden Verband die Musik nach seinen Toren und in Schlüsselmomenten selbst wählen. Frankreich entschied sich für „One More Time“, und der Track hatte gleich zu tun: Beim Auftaktspiel, einem 3:1-Sieg gegen Senegal im MetLife Stadium in New Jersey am 16. Juni, explodierte er dreimal, zweimal für Kylian Mbappé.

Warum ausgerechnet „One More Time“?

Weil keine französische Platte mehr für kollektive Euphorie gebaut ist. Erschienen im Jahr 2000 als erste Single des Albums „Discovery“ (2001) und getragen von der Auto-Tune-Stimme des verstorbenen Romanthony, ist „One More Time“ viereinhalb Minuten purer, geloopter Befreiung, das musikalische Gegenstück zum Torjubel. Es ist zugleich ein Identitätsbekenntnis: Frankreichs größter musikalischer Exportschlager des Jahrhunderts ist keine Rockband, sondern zwei Roboter aus den Pariser Vororten. Daft Punk selbst trennten sich im Februar 2021 und haben sich nicht wiedervereinigt, das Turnier feiert also den Katalog und inszeniert kein Comeback.

Übernimmt elektronische Musik die WM?

Ein Blick auf die anderen Torhymnen macht das Gegenteil schwer zu behaupten. England trifft zu „Chase the Sun“ von Planet Funk, die Schweiz zu „Freed From Desire“ von Gala, einem Stück, das seit einem Jahrzehnt Stadion- und Festivalhymne ist. Deutschland wurde mit „Major Tom“, dem Synth-Pop-Klassiker von Peter Schilling aus dem Jahr 1980, nostalgisch, und Australien blieb sich mit „Thunderstruck“ von AC/DC treu. Die Ränge haben sich immer bei der Clubkultur bedient; die FIFA hat es gerade offiziell gemacht.

Eine House-Platte aus dem Jahr 2000, gesungen von Romanthony, ist jetzt der Klang eines französischen Tores. Mainstreamiger wird der Underground nicht.