Worum geht es bei dem Deal?

Die Berliner Musikdienstleister-Firma 99Solutions hat HÖR komplett übernommen, jene Livestream-Plattform, deren badezimmergekachelte Booth seit 2019 zum festen Inventar des Berliner Undergrounds gehört. Laut Resident Advisor will 99Solutions HÖR als eigenständige Marke weiterführen, in die Infrastruktur investieren und Label-Betrieb, Verlag, Bookings und Partnerschaften anflanschen.

Warum HÖR zählt

Sechs Jahre lang war HÖRs gekachelter Raum eines der verlässlichsten Schaufenster für den Deep-, Minimal- und Tech-House-Underground, ein Ort, an dem ein unbekannter Selector über Nacht vor einem globalen Publikum spielen konnte. Genau diese Reichweite ist der Grund, warum ein Musikdienstleister sie haben will: Die Plattform ist ein Entdeckungs-Trichter mit eingebautem Publikum.

Der Haken

Die Übernahme kommt nach einer turbulenten Phase, HÖR sah sich Boykotten und Inhaltslöschungen ausgesetzt, wegen des Umgangs mit geopolitischen Statements. Eine Label- und Verlagssparte bedeutet: Die Plattform, die DJs groß macht, könnte sie jetzt auch unter Vertrag nehmen, aus Geschmacksbildung wird eine Booth-to-Business-Pipeline. Spannend ist nur, wen diese Pipeline am Ende bezahlt.