Am 15. April 2026 taten zwei Unternehmen, die den Großteil des Jahres um dieselben Festival-Hauptbühnen streiten, etwas, womit niemand gerechnet hatte: Sie einigten sich auf ein Dateiformat. L-Acoustics und d&b audiotechnik haben gemeinsam mit SoundPLAN, seit 35 Jahren Spezialist für Lärmmodellierung, SDE auf den Markt gebracht, kurz für System Design Exchange. Es ist kein Lautsprecher, kein Subwoofer, kein Marketing-Coup über "immersiv". Es ist ein Infrastrukturstandard für die politischste Zahl der Open-Air-Tanzmusik: wie laut die Nachbarn sagen, dass du bist.
Was macht SDE eigentlich?
Bislang prognostizierte jede Marke ihre eigenen Schallemissionen mit ihrem eigenen Werkzeug. d&b plant in ArrayCalc. L-Acoustics plant in Soundvision. Jeder spuckt seine eigenen Zahlen aus, in seiner eigenen Logik, und ein Umweltgutachter, der ein Festivalgelände mit mehreren Anlagen modellieren wollte, musste Prognosen in Einklang bringen, die nie dafür gebaut waren, zueinanderzupassen. SDE sorgt dafür, dass beide Planungswerkzeuge dieselbe standardisierte Datei exportieren, die direkt in SoundPLAN landet, die Umweltsoftware, die Behörden und Akustikbüros tatsächlich nutzen, um Events abzuzeichnen.
Das Versprechen heißt Interoperabilität: eine Methode, eine Datei, vergleichbare Ergebnisse, egal wessen Boxen da hängen. Der technische Kern steckt in der Modellierung, denn SDE trägt Kalibrierungs- und Dekohärenzfaktoren in sich, jene unordentliche Akustik der realen Welt, die entscheidet, ob eine Prognose am Fenster eines Anwohners einen Kilometer weiter standhält.
Warum sollten zwei Konkurrenten das teilen?
Weil die Alternative ist, die Partie ganz zu verlieren. Yann Gaël Gicquel von L-Acoustics formulierte es ohne Schönfärberei: "Organizing a festival today means navigating real tension between the energy that makes live music special and the legitimate expectations of the communities hosting it." Florian Hahn von d&b nannte SDE "a huge step forward in addressing the noise management challenges of large-scale events."
Lies zwischen den Zeilen. Sperrstunden, Dezibel-Obergrenzen und Anwohnerbeschwerden sind heute der entscheidende Faktor dafür, ob ein Event überhaupt eine Lizenz bekommt. Wenn sich ein Veranstalter, eine Behörde und ein Akustiker zusammensetzen, waren die privaten Zahlen jedes Herstellers bislang eine Verhandlungsschwäche. Ein gemeinsamer Standard macht aus drei Streitgesprächen eines.
"Using SDE gives everyone at that table one shared, reliable source of truth for those conversations.", Yann Gaël Gicquel, L-Acoustics
Wer bleibt außen vor, und wie lange?
Vorerst ist SDE ein Klub aus zwei Marken plus SoundPLAN. d&b-Nutzer erreichen es in ArrayCalc; L-Acoustics leitet es über zertifizierte Berater. Aber beide Seiten sagen, das Format werde künftig für andere Hersteller und andere Lärmsoftware geöffnet, und genau das ist der Teil, den man im Auge behalten sollte. Ein Standard, der nur von den beiden größten Namen getragen wird, ist ein Kartell; ein Standard, in den jeder exportieren kann, ist Infrastruktur. SoundPLAN-Chef Jochen Schaal setzt auf Letzteres: "SDE will set a new benchmark for noise prediction in the audio industry."



