Was ist Annulus?

Annulus ist ein kostenloses Instrument-Plugin von Jonas Eriksson, unter dem Namen Phase Fiasco. Im Kern steckt eine getreue Nachbildung der Physical-Modeling-Engine hinter Rings, dem Resonator-Modul von Mutable Instruments. Es läuft als AU und VST3 unter macOS und Windows und kostet nichts.

Rings war eines der beliebtesten Module im Eurorack: Es nimmt ein beliebiges Signal und schickt es durch modellierte Saiten, Membranen und Metall, sodass aus einem Klick oder einem Rauschstoß ein gezupfter, gestrichener oder geschlagener Ton wird. Annulus bringt diese Engine in die DAW, ohne Case und ohne Patchkabel.

Warum ist Rings als Plugin wichtig?

Als Mutable Instruments den Betrieb einstellte, gab die Marke Hardware und Code als Open Source frei. Diese Entscheidung zahlt sich Jahre später noch aus: Die Community portiert und baut Mutables Designs immer weiter nach, und Annulus ist das jüngste Beispiel. Für einen House-, Techno- oder Ambient-Producer ist modellierte Resonanz das, was diesen organischen, fast von Hand gespielten Charakter gibt, den ein Sample allein nie ganz hat: das Zupfen, das ein wenig schief ausklingt, das Metall, das eine Spur zu lang nachklingt.

Bisher hieß das, das Modul zu besitzen oder Notlösungen zu suchen. Eine kostenlose, DAW-native Version senkt die Hürde auf null.

Die metallische Seite von Annulus ist nicht von Natur aus hart, wie es manche Physical-Modeling-Plugins sind.

Was steckt unter der Haube?

Es gibt sechs Modeling-Algorithmen, Morphosis, Sympatheia, Bathmos, Anomalia, Donisis und Antron, jeder eine andere Farbe von Resonanzkörper. Die Oberfläche ist bewusst reduziert, gesteuert von vier Makros (Morphee, Algie, Nothros und Topos) statt von einer Wand aus Reglern, was zum Sounddesign nach Gehör passt. Über dem Resonator sitzt eine Effektkette: Spiral, ein Stereo-Bandecho, Velvet, ein algorithmischer Hall, und zwölf Waveshaping-Verzerrungsmodelle, um den Ton anzuschmutzen.

Gibt es Haken?

Es ist brandneu und, in den Worten des Entwicklers, noch nicht von einer breiten Nutzerbasis erprobt, also rechne je nach System und DAW mit dem einen oder anderen Bug. Es ist außerdem eine Nachbildung, nicht das offizielle Modul, also sollten Puristen, die das exakte Rings-Verhalten suchen, erst reinhören. Nichts davon kostet etwas zum Ausprobieren.