Der Underground spricht über Vinyl wie über ein Liebesobjekt und fast nie als Problem der Abfallwirtschaft. FÉLIN, der Verband der französischen Indie-Labels, behandelt es seit drei Jahren als beides.

Was ist ReDisco, und was hat es gerade getan?

ReDisco ist ein 2023 von FÉLIN, dem französischen Nationalverband der unabhängigen Labels und Vertriebe, ins Leben gerufenes Programm zum Recycling von Tonträgern. Bisher stand es nur Musikunternehmen offen: Labels und Vertriebe gaben unverkauften oder ungewollten Bestand ab, um ihn in Alltagsgegenstände umzuwandeln oder zu neuen Platten zu pressen. Nach FÉLINs Zählung hat es '1,2 Millionen ungewollten Platten gesammelt, recycelt und ein zweites Leben gegeben', von rund sechzig teilnehmenden Akteuren.

Die diesen Monat angekündigte Änderung ist, dass ReDisco sich für die Öffentlichkeit öffnet. Verbraucher können nun ihre eigenen Platten abgeben, zunächst in den Ballungsräumen von Limoges, Bordeaux und der umliegenden Region Haute-Vienne, wobei Limoges eine große Sammelaktion in seinem gesamten Gebiet durchführt. Die öffentlichen Standorte ergänzen zudem eine Tauschfunktion: Eine Platte, die jemand nicht mehr will, kann von einem anderen Anwohner mitgenommen werden, statt zerstört zu werden.

Warum gibt es dieses Programm überhaupt?

Die Regulierung, kurz gesagt. Das französische AGEC-Gesetz von 2022, das Anti-Verschwendungs- und Kreislaufwirtschaftsgesetz, hat Unternehmen verboten, unverkaufte CDs, DVDs und Vinyl auf die Deponie zu bringen. Damit wurde eine stille Branchengewohnheit, toten Bestand wegzuwerfen, zu etwas, das Labels nicht mehr durften, und FÉLIN baute ReDisco als eigene Antwort der Branche auf, statt zu warten, bis ihr eine von oben verordnet wird.

Vinyl ist das Format, das der Underground am meisten romantisiert und am wenigsten recycelt, und genau deshalb zählt ein von den Indies gebauter Kreislauf mehr als das nächste Versprechen eines Majors.

Was bringt die Unterstützung von IMPALA?

IMPALA, der gesamteuropäische Dachverband der unabhängigen Labels, hat sein institutionelles Gewicht dahintergestellt. Seine Sustainability Task Force ernannte ReDisco zu ihrer 'Sustainability Organisation with a Cause', einer EU-finanzierten Auszeichnung, die eine gemeinsame Kommunikation rund um Umwelt- und Gerechtigkeitsinitiativen im gesamten Indie-Sektor fördert. Die Ankündigung kam am 2. Juni 2026, abgestimmt auf den Auftakt der EU Green Week.

IMPALA-Verwaltungsratsvorsitzende Helen Smith sagte, ReDisco 'proves that independent players are at the forefront when it comes to driving change'. FÉLIN-Geschäftsführerin Céline Lepage stellte den Start für die Öffentlichkeit als Schritt zu einer nationalen Lösung für die gesamte Branche dar, mit dem erklärten Ziel, das Modell europaweit und international auszuweiten, für eine grünere Industrie.