Was geschah wirklich auf The Lot Radio?

Kein Flyer, keine Ankündigung, keine Vorwarnung. Der Stream von The Lot Radio, der Booth im Schiffscontainer in Brooklyns Greenpoint, ging am 8. Juni einfach live, mit Thomas Bangalter hinter den Decks. Eineinviertel Stunden lang legte der Mann, der die Hälfte von Daft Punk aufgebaut hat, Platten auf, und das Internet erfuhr es in Echtzeit.

Die Auswahl war keine nostalgische Ehrenrunde. Bangalter führte Burial in Aphex Twin über, ließ den ghetto-house-Schmutz von DJ Deeon, frisch aus Chicago, neben den aciden Minimalismus von Plastikman fallen und machte Platz für Boards of Canada, Flying Lotus und die Detroiter Octave One. Eingewoben darin lagen unveröffentlichte Stücke seiner neuen Soloplatte 'Mirage - Ballet For 16 Dancers'. Er schloss mit dem treibenden Schlussteil von 'Contact', dem letzten Stück von 'Random Access Memories', was so nah an eine Signatur herankommt, wie ein Mann sie dir gibt, der zwei Jahrzehnte unter einem Helm verbracht hat.

Warum ausgerechnet jetzt in einem Club-Booth auftauchen?

Seit Daft Punk 2021 das Ende verkündete, hat sich Bangalter dem Konzertsaal zugewandt. Sein Werk 'Mythologies' von 2023 war eine vollständige orchestrale Ballettpartitur, geschrieben für die Bühne der Oper von Bordeaux, nicht für den Club. 'Mirage - Ballet For 16 Dancers' riecht schon allein vom Titel her nach derselben komponierten, choreografierten Richtung.

Genau deshalb zählt es, dass er es innerhalb eines lockeren, eklektischen Radiosets anspielt. Bangalter kehrte nicht zurück, um Daft Punk zu spielen. Er kehrte zurück, um aufzulegen, um sein neues Langformat neben Burial, Acid und Detroit-Techno zu setzen und es im einzigen Kontext atmen zu lassen, der ihn großgezogen hat.

Er spielte nicht die Hits. Er spielte eine Plattensammlung und schob seine eigene Zukunft mittendrin hinein.

Ist das das Comeback, nach dem alle ständig fragen?

Nein, und das ist der Punkt. Bangalter hat unmissverständlich gesagt, dass Daft Punk vorbei ist und dass ihn eine Reunion-Tour nicht interessiert. 75 Überraschungsminuten auf einer Brooklyner Webcam sind das Gegenteil einer Stadion-Ehrenrunde. Es ist eine Erinnerung daran, dass er vor den Robotern und den Grammys ein Pariser Junge war, besessen von House-Platten, und dass er es immer noch ist.