Seit zwei Jahren ist das Reden über das Berliner Nachtleben Stimmung und Anekdote: dieser Club weg, dort die Miete verdoppelt. Die Tourismuszahlen für 2025 verwandeln einen Teil dieser Stimmung in Arithmetik, und die Arithmetik zeigt in dieselbe Richtung wie die Dancefloors.
Wie stark ist der Berlin-Tourismus wirklich gesunken?
Die Stadt verbuchte 2025 12,4 Millionen Besucher und 29,4 Millionen Übernachtungen, gegenüber 12,7 Millionen Besuchern und 30,6 Millionen Übernachtungen im Jahr davor. Das ist ein Minus von 2,3 Prozent bei den Ankünften und rund 4 Prozent weniger Übernachtungen. Auf dem Papier bescheiden. Weniger bescheiden, wenn man schaut, wer aufgehört hat zu kommen.
Ausländische Besucher fielen um 4,3 Prozent und ihre Übernachtungen um 6,3 Prozent. Internationale Gäste geben nicht nur mehr aus: Sie sind diejenigen, die für ein Wochenende rund um ein einziges Line-up einfliegen, die eine Nacht in einem Berliner Club als Grund der Reise behandeln und nicht als Bonus obendrauf. Wenn diese Gruppe dünner wird, spüren es die Clubs vor den Museen.
Was haben die Clubs damit zu tun?
Die Stadt tut nicht mehr so, als wären das getrennte Geschichten. Burkhard Kieker, scheidender Chef von Visit Berlin, verband die weicheren Zahlen mit Jahren des 'Clubsterben'-Redens, dem laufenden Narrativ vom Clubtod, das am stärksten von der Clubcommission vorangetrieben wurde. Kieker wurde deutlich und legte nahe, dass sich die Branche teils selbst in ein Loch geredet hatte. Er bot auch das Gegengewicht: etwa 300 Clubs haben in Berlin noch geöffnet, was nicht das Bild einer Stadt ist, die ihr Nachtleben verloren hat.
Berlins Clubs und Berlins Besucherwirtschaft laufen nicht auf getrennten Gleisen. Die Zahlen von 2025 sind der Beleg.
Beides ist zugleich wahr. Berlin hat Namen verloren, die zählten, und Berlin hat noch immer eines der tiefsten Club-Ökosysteme der Welt. Was sich geändert hat: Die Tourismusbehörde der Stadt benennt diese Verbindung jetzt laut, womit Clubpolitik zur Tourismusfrage wird statt zur Fußnote über eine Subkultur.
Warum kommt Ryanair immer wieder zur Sprache?
Weil billige Flüge die Versorgungslinie sind. Ryanair hat bestätigt, dass es seine Basis am Berlin Brandenburg Airport bis Oktober 2026 schließen und seine Berliner Kapazität um etwa die Hälfte kappen wird, mit Verweis auf die Entgelte des Flughafens und die deutsche Luftverkehrsteuer. Es ist die Fortsetzung eines früheren Rückzugs, der bereits Hunderttausende Sitzplätze gestrichen hat. Weniger Low-Cost-Sitze nach BER bedeuten weniger jener spontanen Wochenenden, die Berlins Ruf gespeist haben: ein Ort, zu dem man freitags fliegen und bis Sonntag tanzen kann. Man kann die Besucherzahlen eines Clubs nicht über einen Streckenplan reparieren, aber man kann auch nicht ignorieren, dass beides miteinander verdrahtet ist.



