Was genau beantragen Universal und Sony bei Gericht?
Am 21. Mai 2026 reichten Universal Music Group und Sony Music Entertainment beim Bundesbezirksgericht für den District of Massachusetts, vor Richter F. Dennis Saylor IV, einen Antrag ein, eine zweite geänderte Klageschrift einreichen zu dürfen. Das Anliegen ist unmissverständlich: die Verletzungsklage gegen Suno von den 560 Werken aus der ursprünglichen Klage vom Juni 2024 auf 61.026 Aufnahmen auszuweiten.
Jene ursprüngliche Klage umfasste auch Warner Music Group. Geändert hat sich, was die Labels nach eigenen Angaben nun in der Hand halten. Sie behaupten, die Beweisaufnahme zeige, dass Suno mit Millionen ihrer geschützten Aufnahmen trainiert wurde, und die Zahl von 61.026 sei in ihren Worten nur ein kleiner Bruchteil dessen, was sie gefunden hätten.
Wie konnten sie 61.026 konkrete Aufnahmen festnageln?
Das ist der Teil, der jeden Rechteinhaber aufhorchen lassen sollte. Die Labels setzten auf die Audio-Fingerprinting-Technologie von Audible Magic, in zwei Stufen ausgeführt. Stufe eins erstellte digitale Fingerabdrücke von Sunos Trainingsdaten, eine Arbeit, die rund zwei Wochen in einem gesicherten Raum in Anspruch nahm. Stufe zwei glich diese Fingerabdrücke mit der Inhaltserkennungs-Datenbank von Audible Magic ab.
„Die beantragte Änderung mit dieser Begründung zu verweigern, käme im Ergebnis einer Belohnung für Suno gleich, geschützte Werke in beispiellosem Umfang kopiert und dieses Kopieren dann vor der Öffentlichkeit verborgen zu haben.“
Dieser Satz aus dem Antrag zeigt die Temperatur. Die Majors sprechen nicht von einer Formalie, sondern von Verschleierung.
Wie hoch kann der Schaden tatsächlich werden?
Der gesetzliche Schadenersatz bei vorsätzlicher Urheberrechtsverletzung beträgt bis zu 150.000 Dollar pro Werk. Rechnet man das über 61.026 Titel hoch, sieht es nicht mehr nach einer Klage aus, sondern nach einem Todesurteil. Laut Complete Music Update könnte der Gesamtschaden 9 Milliarden Dollar übersteigen, wenn alle 61.026 Titel hinzukommen.
Zur Einordnung des betroffenen Unternehmens: Suno hatte zuvor über 400 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 5,4 Milliarden eingesammelt. Eine Schadenssumme von 9 Milliarden erdrückt diese Zahl.
Warum wehrt sich Suno so vehement gegen die Ausweitung?
Suno wehrt sich gegen die Änderung. Das Unternehmen argumentiert, Zehntausende Werke in diesem Stadium hinzuzunehmen liefe darauf hinaus, den Fall von vorne zu beginnen, und nähme ihm eine zeitnahe Entscheidung über seine Fair-Use-Verteidigung, das Argument, um das sich am Ende der gesamte Streit um KI-Musik dreht. Nachdem Universal seinen Streit mit dem Rivalen Udio gesondert beigelegt hat, wird Suno nun zum zentralen umkämpften Schauplatz für die Frage, ob das Training generativer Modelle mit kommerziellen Mastern eine Verletzung oder Fair Use ist.



