Der Supersaw ist die erkennbarste Abkürzung der Dance Music: man stapelt sieben oder mehr verstimmte Sawtooth-Wellen, verbreitert das Stereofeld, und heraus kommt dieser sofortige Euphorie-Sound, der Eurodance, Trance und einen Großteil des modernen EDM geprägt hat. Es ist auch der Preset, den jeder ernsthafte Produzent zu meiden lernt, weil er der schnellste Weg ist, wie jemand zu klingen, der sich keine Mühe gegeben hat.

Auf dem Papier ist die Paarung seltsam: A.G. Cook, der Gründer von PC Music, bekannt für maximalistische, hyperdetaillierte Pop-Produktion für Charli xcx, Caroline Polachek und Oklou, verbringt zwei Jahre mit Native Instruments, um einen neuen Synth genau um diesen Sound herum zu entwerfen.

Was ändert Super*Saw wirklich am Sound?

Unter der Haube laufen bei Super*Saw zwei unabhängige 16-Saw-Oszillator-Bänke mit einem X/Y-Morpher, der zwischen vier verschiedenen Patch-Zuständen wechselt. Das ist eine deutlich andere Architektur als ein simpler Stack verstimmter Saws: statt einer statischen Klangwand kann man kontinuierlich zwischen verschiedenen Texturen morphen, vom erkennbaren Trance-Lead-Stack bis hin zu etwas, das eher einem schimmernden Akkord-Pad ähnelt. Die Preset-Bibliothek deckt Leads, Bässe, Stacks und Akkorde ab, was das Tool weit über den einen Lead-Sound hinaustreibt, für den der Supersaw bekannt ist.

Warum zählt A.G. Cooks Name hier?

Cook hat nicht einfach seinen Namen verliehen. Native Instruments erklärt, die Patches seien aus seinen eigenen Sessions aufgebaut und spiegelten die Produktionssignaturen wider, die in seiner aktuellen Pop-Arbeit auftauchen. Das ist der eigentliche Haken: ein Künstler, der sich seinen Ruf damit erarbeitet hat, Pop-Produktion auseinanderzunehmen und auf unerwartete Weise neu zusammenzusetzen, ist jetzt der namentlich genannte Architekt einer Überarbeitung des generischsten Sounds der Dance Music. Es ist ein Glaubwürdigkeitstransfer in beide Richtungen: Native Instruments gewinnt einen Künstler-Kollaborateur mit echtem Underground- und Pop-Kapital, und Cook sieht seinen klanglichen Fingerabdruck in einem Tool verankert, das weit außerhalb der PC-Music-Umlaufbahn genutzt wird.

Super*Saw basiert direkt auf Cooks eigenen Sessions und Patches, nicht nur mit seinem Namen versehen.

Für wen ist dieses Plugin eigentlich gedacht?

Auf der Hardware-Seite lässt sich Super*Saw mit Komplete-Kontrol-Keyboards und Maschine integrieren und bleibt damit innerhalb des bestehenden Native-Instruments-Ökosystems, statt als eigenständige Kuriosität zu erscheinen. Bei 99 Euro positioniert der Preis das Plugin eher als zugängliche Ergänzung denn als Flaggschiff-Synth, was darauf hindeutet, dass Native Instruments auf Volumen setzt: Produzenten aus House, Pop und Hyperpop, die es als schnellen Zugang zu einem Sound nutzen, der normalerweise echte Sounddesign-Arbeit braucht, um interessant zu werden.

Warum es wichtig ist

Der Supersaw ist seit Jahren ein kultureller Witz in Underground-Dance-Kreisen, ein Synonym für generische, faule Drops. Einen glaubwürdigen Art-Pop-Produzenten und echte Session-Daten mit einer Überarbeitung zu verbinden ist ein echter Versuch, diesen Sound zurückzuerobern statt ihn nur neu zu verpacken, und könnte den Supersaw zurück in Produktionen bringen, die ihn ein Jahrzehnt lang aktiv gemieden haben.

Was wir denken

Die Architektur ist tatsächlich interessanter als ein Standard-Supersaw-Preset: zwei Oszillator-Bänke und ein Morpher sind ein echtes Sounddesign-Upgrade, kein reines Facelift. Aber 99 Euro und ein berühmter Name an einem so abgenutzten Sound sind auch ein bequemer Nostalgie-Move, und der eigentliche Test liegt nicht in den Plugin-Specs, sondern darin, ob Produzenten außerhalb von Cooks eigener Pop-Welt wirklich danach greifen, statt nur darüber zu reden.