Die elektronische Musik spricht gern über Inklusion. Die Vertragszahlen erzählen eine andere Geschichte: Weniger als 5 Prozent der Veröffentlichungen bei Electronic-Labels stammen von Frauen oder geschlechtsdiversen Artists, so Billboard Canada. Die Organisation von Sydney Blu, Change The Beat, hat aus dieser Lücke gerade ein konkretes Ziel mit Frist gemacht.
Was genau hat Change The Beat zugesagt?
Die Zusage ist gestaffelt: 300 Label-Verträge für Frauen und geschlechtsdivers positionierte Electronic-Artists bis 2028, steigend auf 600 bis 2031 und 1.500 bis 2036. Das ist kein Start bei null. Seit dem Start 2021 hat Change The Beat laut Exron Music bereits mehr als 100 Verträge ermöglicht und eine Community von über 1.200 Mitgliedern aufgebaut. Die neuen Zahlen machen eine bereits laufende Arbeit öffentlich verbindlich.
Wie funktioniert Demo Room tatsächlich?
Der Mechanismus hinter der Zusage heißt Demo Room, eine neue A&R-Plattform, die Demos von Artists direkt vor Entscheider:innen bei Labels bringt und die informellen Netzwerk-Wege umgeht, die bislang maßgeblich bestimmt haben, wer einen Vertrag bekommt. Sie ergänzt die bestehenden Remix-Contest-Partnerschaften mit Drumcode, mau5trap und Anjunabeats, die Mitgliedern bereits über ein wettbewerbliches, transparentes Format eine echte Chance auf Label-Aufmerksamkeit geben, statt einer kalten E-Mail, die im Nichts verpufft.
"Wir sind nicht nur hier, um über die Probleme zu reden, wir sind hier, um Teil der Lösung zu sein."
Das sagt Sydney Blu, zitiert von Exron Music. Ein Satz mit Gewicht, von einer Organisation, die ihren Mitgliedern auch Mentoring, Branchenkontakte und Weiterbildung anbietet, die weniger sichtbare Infrastruktur, die eine reine Vertragszusage nicht ersetzen kann.
Hat Sydney Blu in diesem Bereich schon Erfahrung?
Vor Change The Beat leitete Blu die Kampagne #23by23, die Festivals dazu drängte, mehr DJ-Frauen zu buchen. Billboard Canada schreibt ihr einen Teil des Verdienstes dafür zu, dass der Frauenanteil auf Lineups von rund 2 Prozent auf etwa 16 Prozent im Jahr 2024 gestiegen ist, eines der wenigen wirklich messbaren Ergebnisse in einer Branche, die sich meist mit Absichtserklärungen begnügt. Mit derselben Methode auf 300 Verträge zu zielen, eine öffentliche Zahl, eine Frist und ein direkter Kanal zu den Institutionen mit der Macht, ist eine Wette darauf, dass funktioniert, was bei Festivalbuchern funktioniert hat, jetzt auch bei Labels funktioniert.



