Am 3. April 2026 veroffentlichte Chris Stussy sein Debutalbum, "Lost, Found & Forgotten…", 19 Tracks auf seinem eigenen Label Up The Stuss. Fur die meisten Genres ist ein Album nichts Besonderes. Fur Deep-Tech ist es die Nachricht, denn diese Szene ist fast vollstandig auf 12-Inches, White Labels und DJ-Tools gebaut, und das Album ist das Format, zu dem eine Subkultur greift, wenn sie beschliesst, als ein Werk ernst genommen zu werden.

Stussy war der naheliegende Kandidat, diesen Schritt als Erster zu gehen.

Warum ist ein Album in Deep-Tech eine grosse Sache ?

Weil die Musik darauf angelegt war, im besten Sinne wegwerfbar zu sein. Deep-Tech lebt von funktionalen, mixbaren Cuts, die da sind, um um 2 Uhr nachts eine Aufgabe zu erfullen und im nachsten Monat ersetzt zu werden. Das Album verlangt das Gegenteil: setz dich hin, hor von vorn bis hinten, nimm es als Statement. Stussy hat die Platte in drei Kapitel gegliedert, Lost, Found und Forgotten, eine bewusst gegen das DJ-Tool gerichtete Art, Musik zu verpacken. "It's deeply personal, and it represents my sound as a whole", sagte er.

Dieser Satz ist die ganze Geschichte. Eine Szene, die Tracks verkaufte, verkauft jetzt einen Kunstler.

Was signalisiert Stussy eigentlich ?

Dass die Infrastruktur reif genug ist, um mehr als Singles zu tragen. Er hat Up The Stuss zu einer echten Release-Plattform aufgebaut, veranstaltet seine eigenen Events drumherum und nutzt nun beides, um ein langformatiges Projekt zu tragen statt eines steten Tropfens an EPs. Er beschrieb den Prozess als "exchanging ideas with other artists and creating music outside of my comfort zone", mit dem, was das Label emotional aufgeladene Kollaborationen nennt, auch wenn die vollstandige Tracklist zuruckgehalten und vor der Veroffentlichung nach und nach enthullt wurde.

Eine Szene, die Tracks verkaufte, verkauft jetzt einen Kunstler.

Ist das ein Einzelfall oder eine Vorlage ?

Es liest sich wie eine Vorlage. Wenn die Aushangeschilder einer Singles-Kultur anfangen, Alben zu machen, Labels zu fuhren und Event-Marken aufzubauen, professionalisiert sich die Subkultur vor aller Augen, und der Rest folgt meist dem starksten Namen. Stussy ist dieser Name, was "Lost, Found & Forgotten…" weniger zu einer Platte zum Abheften macht und mehr zu einem Wegweiser dafur, wohin Deep-Tech als Nachstes geht: weniger einmalige Tools, mehr Kunstler, die fur etwas Grosseres als eine Peak-Time-Waffe in Erinnerung bleiben wollen.