Warum gab es Life and Death ueberhaupt?
Weil die Tuersteher Nein sagten. Romano hatte eine Platte aus dem Projekt eines Freundes, 'Disco Gnome' von Thugfucker, an die er glaubte. Er brachte sie zu Dixon. Er brachte sie zu Damian Lazarus. Er reichte sie herum im Kreis der tonangebenden Labels, die er aus Jahren im Geschaeft schon kannte. Alle lehnten ab. Also brachte er sie 2010 selbst heraus, mit seinem Partner Greg Oreck, als allererste Veroeffentlichung eines neuen Labels namens Life and Death. Der Track schoss an die Spitze der Beatport-Charts und wurde zu einem der meistgespielten des Jahres, ueber alle Genres hinweg.
Diese Platte tat zwei Dinge auf einmal: Sie brachte das Label an den Start und brachte DJ Tennis als tourenden DJ an den Start. Auf einmal wollten die Veranstalter wissen, wer hinter Life and Death steckt, und ihn buchen. Er war 40 Jahre alt.
"Manchmal sehen die Leute deine Vision einfach nicht, und du musst ihnen das Gegenteil beweisen."
Wofuer signt er also wirklich?
Nicht fuer deine Followerzahl. Romano sagt unverbluemt, dass 'fast jedes Label' heute eine Mindest-Followerzahl will, bevor es ueberhaupt zuhoert, und er haelt das fuer die falsche Zahl, auf die man sich versteift. Er schaut sich die Social-Praesenz eines Kuenstlers noch an, aber als Signal, nicht als Groesse: Sind die Ideen gut, wirkt die Person echt, gibt es eine Haltung. Er sagt, er wuerde gern jemanden mit 500 Followern und grossartigen Ideen einem groesseren Account ohne irgendetwas dahinter vorziehen.
Was er stattdessen abwaegt, ist Charakter, die Lust auf harte Arbeit, die Bereitschaft, Risiken einzugehen, und ein Plan. Er gibt offen zu, mehr talentierte Leute getroffen zu haben, die nirgends ankamen, als untalentierte, die es schafften, und dass der entscheidende Faktor fast immer war, ob sie es als Beruf behandelten oder darauf warteten, dass sich das Talent von selbst auszahlt. Er signt ausserdem lieber Kuenstler, die noch nicht populaer sind, weil das Label mit ihnen wachsen und das aufbauen kann, was er eine Crew nennt, etwas, dessen ein beruehmter Einmal-Signing nie Teil sein wird.
Warum sagt ein A&R, der mit 40 durchbrach, das immer wieder laut?
Weil die ganze Form seiner Laufbahn gegen den Zeitplan spricht, mit dem sich die meisten jungen Produzenten quaelen. Romano verbrachte rund fuenfzehn Jahre damit, Punk- und Post-Hardcore-Bands zu touren, eine Booking-Agentur in Mailand zu fuehren, in Plattenladen zu arbeiten und in Restaurants zu kochen, um eine DJ-Leidenschaft zu finanzieren, die ein Jahrzehnt lang keinen Cent einbrachte. Er verweist auf Dixon, der ebenfalls spaet kam, und versteht Reife als Pluspunkt: Der persoenliche Geschmack eines Produzenten, das, was zur Handschrift wird, braucht Jahre, um sich zu bilden. Die Botschaft an jeden, der Demos einschickt, ist das Gegenteil der des Algorithmus: Du laeufst keinen Sprint, und 25 ist keine Deadline.



