Laurel Halo hat sich ihren Ruf mit Platten erarbeitet, die dem Dancefloor eher ausweichen: zerfließende Synths, Vocal-Fragmente, Ambient-Flächen, die Kritiker gerne als "desorientierend" beschreiben. Wenn ihr Name also auf einem Zwei-Track-Clubrecord mit gerader Bassdrum und Katalognummer auftaucht, lohnt sich die Frage nach dem Warum.
Die Antwort heißt John Tejada. Sein Label Palette Recordings wird in diesem Jahr 30, gegründet im Herbst 1996, und er feiert das nicht mit einer nostalgischen Compilation, sondern mit einer Reihe von Kollaborationen. Im Mai war es ein Zwei-Track mit Plaid, der zur 100. Veröffentlichung des Labels wurde. Im Juni holte er Laurel Halo für "Shade / Happy Trees", Katalognummer PAL101.
Warum würde Halo jetzt eine Clubplatte machen?
Laut Berichten zu dieser Veröffentlichung haben die beiden Künstler, beide in Los Angeles ansässig und durch ihre Zeit am CalArts verbunden, persönlich zusammen im Studio gearbeitet statt Dateien aus der Ferne auszutauschen, mit dem Ziel, etwas Direkteres zu machen, nachdem beide zuvor eher in experimentellem, atmosphärischem Terrain unterwegs waren. Das Ergebnis spielt zwei Seiten derselben Session aus: "Shade" neigt zum Dunklen, mit einer treibenden rhythmischen Struktur und angespannter Harmonik zwischen schattigen Texturen, während "Happy Trees" sich mit mehr Leichtigkeit und Spiel öffnet, zwischen Bassdruck und melodischen Fragmenten, die in eine surrealere Bewegung driften. Beide Tracks wurden für Clubsysteme gebaut, ohne auf das Detail und die leicht schräge Kante zu verzichten, die Halos Katalog auszeichnen.
Bandcamp Daily fasste es so zusammen: "zwei große sommerliche Schlucke von fließendem Tech-House-Funk, bereit, einen Dancefloor zu füllen".
Diese Besprechung, am 17. Juli in der Essential-Releases-Rubrik von Bandcamp Daily erschienen, erklärt, warum die Platte mehr als einen Monat nach ihrem Release wieder im Gespräch ist. Essential Releases prämiert kein Volumen, sondern Platten, die die Redaktion für wirklich wert hält, dass ein Fremder drei Dollar dafür zahlt, und dass Tejada und Halo dort einen Monat später auftauchen, bestätigt, dass die EP ihr Publikum auf dem langsamen Weg gefunden hat, über DJs, die sie auflegen, statt über einen kurzen Hype.
Was sagt das über Palette mit 30?
Ein Label, das drei Jahrzehnte übersteht, ohne zum Nostalgieprojekt zu werden, ist an sich schon selten. Tejada hat diese Zeit damit verbracht, eigene Platten bei Kompakt, Cocoon, Pokerflat und Playhouse zu veröffentlichen, während Palette sein Vehikel für alles blieb, was er in Eigenregie herausbringen wollte. Dieses Jubiläumsjahr um Kollaborationen herum aufzubauen, erst mit Plaid, dann mit Halo, wirkt wie eine bewusste Entscheidung: statt die Vergangenheit nur zu katalogisieren, nutzt er den Meilenstein, um Kolleginnen und Kollegen anzuziehen, die diese Art von Platte sonst nicht machen, und lässt das Ergebnis für die Reichweite des Labels sprechen, nicht nur für seine Geschichte.
Warum das wichtig ist
Dass ein Produzent mit einem 30 Jahre alten Label einen der angesehensten Namen der experimentellen elektronischen Musik auf eine wirklich clubtaugliche Platte holt und Bandcamp Daily das Wochen später aufgreift, ist ein kleines, aber echtes Signal, dass Palettes Jubiläumsjahr bei Leuten ankommt, die die Szene genau verfolgen, nicht nur bei langjährigen Tejada-Fans.
Was wir denken
Das Klügste an dieser EP ist, dass sie nicht versucht, Laurel Halo wie John Tejada klingen zu lassen, oder umgekehrt. "Shade" behält ihren Sinn für Spannung und Textur, nur eben auf eine Bassdrum statt aufs Kopfhörer-Hören ausgerichtet. Das ist eine deutlich bessere Kollaboration als die meisten Jubiläums-Gastspots, und genau die Art von Platte, die ein Label braucht, um mit 30 zu beweisen, dass es noch zählt, nicht nur, dass man sich an es erinnert.



