Warum ist Bangalter plötzlich überall?

Fast ein Jahrzehnt lang war der stillere der beiden Roboter genau das: still. Dann kam 2026. Binnen weniger Wochen veröffentlichte Thomas Bangalter ein Soloalbum, lieh seinen Namen einer Luxus-Parfümkampagne, tauchte unangekündigt in einem Radiostudio in Brooklyn auf und sagte für eine Nacht auf der größten Kunstmesse der Welt zu. Nichts davon ist ein Daft-Punk-Comeback. Alles davon klingt nach einem Produzenten, der überzeugt ist, dass sein zweiter Akt der spannende ist.

Die Überraschung kam zuerst als 75-minütiges Set auf The Lot Radio in Greenpoint am 8. Juni, angekündigt erst, als der Stream startete. Er legte auf wie jemand, der Linernotes zum Vergnügen liest: Burial, Aphex Twin, Boards of Canada, Octave One, der griechisch-französische Modernist Iannis Xenakis, Tangerine Dream und unveröffentlichte Formen aus seinem eigenen Album, bevor die letzten Minuten von Daft Punks 'Contact' den Abschied übernahmen.

Was ist das Album Mirage, und warum ein Klassiklabel?

Mirage - Ballet for 16 Dancers erschien am 5. Juni bei Erato, einem Klassiklabel und keinem Clublabel, und genau das ist der Punkt. Die acht Stücke entstanden für eine Produktion des Grand Théâtre de Genève mit dem Choreografen Damien Jalet und dem japanischen Künstler Kohei Nawa, mit Xenakis' skulpturalem Zugang zum Klang über der Partitur. Dieselbe Spur wie sein Orchesterdebüt Mythologies von 2023: Bangalter schreibt für Körper auf einer Bühne, nicht auf einer Tanzfläche.

Diese Orchesterwelt hat auch CHANEL angezogen. Er bearbeitete sein eigenes Stück 'Circonvolutions' aus Mythologies für die neue Bleu-de-CHANEL-Kampagne, einen Film von Alfonso Cuarón mit Jacob Elordi an der Spitze, und zog die Streicher des Originals in tiefes, elektronisches Terrain.

"Die Musikgeschichte besteht aus fruchtbaren Partnerschaften, und sie halten meist weit kürzer als die 28 Jahre, die wir hatten."

Kommt Daft Punk nun zurück oder nicht?

Nein. Im Gespräch mit der Times rund um das Album erteilte Bangalter einer Reunion eine klare Absage, beschrieb die 28 Jahre des Duos als eine der längsten Partnerschaften der Musik und sagte unumwunden, es gebe andere Dinge zu erkunden. Das nächste davon hat ein Datum: Am 20. Juni tut er sich mit Rampa von Keinemusik für 'Warehouse Artefacts' auf der Art Basel in der Schweiz zusammen, eine immersive Installation mit dem bildenden Künstler Julian Charrière, die als Kunstwerk öffnet und nach Einbruch der Nacht in ein fünfstündiges Set kippt. Der Helm ist ab. Die Neugier, ganz offensichtlich, nicht.